Freitag, 31. Januar 2025

Der Triumph des Tiberius

Im Herbst des Jahres 12. n. Chr. kehrte Tiberius aus Germanien zurück nach Rom. Im Jahre 9 hatte er aus Pietätsgründen auf den Triumph über Pannonien und Dalmatien verzichtet und nun wurde er endlich mit einem „richtigen“ Triumph geehrt.

Der Triumph erfolgte nach uraltem Brauch und war gewissen Regeln unterworfen. Voraussetzung war, dass ein äußerer Feind besiegt worden war, und zwar mussten mindestens 5.000 Gegner getötet worden sein. Das war bei den großen, mehrjährigen Kriegen sicher gegeben. Dass der Triumphator den militärischen Oberbefehl innehatte, ist auch logisch.

Zunächst einmal musste der Feldherr an der Stadtgrenze von Roms sämtliches Militär zurücklassen. Dann bat er darum, im Triumph in die Stadt einziehen zu dürfen. Darüber entschied der Senat. Fiel die Entscheidung positiv aus, zog der Feldherr mit Abordnungen seiner Truppen, der Kriegsbeute und den Gefangenen auf einer festgelegten Route in die Stadt ein.

In der Kaiserzeit, zumal bei einem nachträglich gewährten Triumph, wurde die Entscheidung vermutlich schon vorab gefällt. Tiberius wird von Augustus die Genehmigung erwirkt haben, und dieser stellte den Antrag im Senat. Die Genehmigung erfolgte dann sicher schnell und unproblematisch. Denkbar ist auch, dass Augustus Tiberius gleich vom genehmigten Triumph unterrichtete, ohne das dieser fragen musste, d.h. der Princeps gewährte den Triumph ähnlich wie das imperium proconsulare, das Tiberius bald danach erhielt.

Am Morgen des Tages wartete Tiberius an der Spitze seines Zuges vor der Stadt. Er war in Gewänder gekleidet, die sonst nur dem höchsten Gott Jupiter zustanden: eine mit goldenen Palmenzweigen bestickte, purpurne Tunika und darüber eine mit Sternen bestickte Purpurtoga. Sein Gesicht war rot bemalt wie die Statue des kapitolinischen Jupiters. Vor dem Krieg hatte der Feldherr Jupiter geopfert und ihn um Beistand gebeten. Ein Sieg war nach damaligem Verständnis durch den Beistand und das Wohlwollen des höchsten Gottes zustande gekommen und so erklärt sich auch die Überhöhung des Feldherrn ins Göttliche: er hatte im Auftrage Jupiters gehandelt.

Dennoch wurde dafür gesorgt, dass der Triumphator nicht völlig den Bezug der Realität verlor: Hinter ihm stand ein Sklave, der ihm immer wieder zuflüsterte: „Blicke hinter dich und gedenke, dass du ein Mensch bist!“ Jener Sklave hielt auch den Kranz aus Eichenlaub über dem Kopf des Feldherrn, der bereits einen Lorbeerkranz trug.

Beide befanden sich auf einem Kastenwagen, der von vier Schimmeln gezogen wurde. Aber der Triumphator lenkte nicht selbst; er trug in den Händen ein Szepter und einen Palmzweig und das Gespann wurde von Begleitern im Schritttempo geführt.

Daraus ergab sich, dass der Zug langsam unterwegs war und gelegentlich ins Stocken kam. Der Zug bewegten sich aus Norden, vom Marsfeld aus durch die Porta Triumphalis in die Stadt hinein. Es ging durch den Circus Maximus, wo 150.000 Menschen zusehen konnten, von dort aus um den Palatin herum und zum Forum Romanum, schließlich über die Via Sacra zum Capitol hinauf. Dort, am Tempel des Jupiter, legte der Triumphator seinen Kranz vor dem Gott nieder. Er leitete auch das Opfer für Jupiter. Weiße Stiere, die Rede ist sogar von 100 Tieren, wurden dem höchsten Gott geopfert.

Überall drängten sich die Menschen zusammen, sie nutzten jede Möglichkeit, entweder am Straßenrand oder von Dächern und Balkonen dem Zug zuzusehen. Die Stadt war festlich mit Girlanden geschmückt. Die hohen Würdenträger, Senatoren und Ritter, und die kaiserliche Familie, an ihrer Spitze Augustus und Livia, beobachteten den Zug sicher von erhöhter Position, eventuell auch auf Stühlen sitzend. Ich kann mir vorstellen, dass Tiberius seinen Siegeszug unterbrach, als er Augustus traf, und sich vor ihm verneigte. Es ist aber auch möglich, dass der Princeps ihm am Capitol erwartete.

Das Bad in der Menge, der Jubel, die Überhöhung seiner Person sorgten sicher für jede Menge Adrenalin beim Triumphator und seinen Begleitern. Das war auch nötig, denn die Zeremonie verlangte echten Körpereinsatz. Stundenlang auf dem wackligen Wagen stehen und auch davor und danach in der Öffentlichkeit präsent zu sein, war anstrengend. Es sind auch Unfälle bei Triumphzügen überliefert.

Am Abend gab der siegreiche Feldherr ein Gastmahl für Senatoren, Ritter und verdiente Offiziere. Aber auch das Volk wurde öffentlich bewirtet. Die Feierlichkeiten dauerten bis in die Nacht an. An den Folgetagen gab es gewöhnlich (Gladiatoren-)Spiele. Üblich waren auch Geldgeschenke. Manchmal wurden Münzen ins Volk gestreut.

Ob Tiberius, der so oft im Leben kein Glück hatte, an diesem Tag Genugtuung und Freude empfunden hat? Sicher war er von all der öffentlichen Anteilnahme und der verdienten Würdigung seiner Erfolge angetan, und die Thronfolge war ihm zu diesem Zeitpunkt schon sicher. Vielleicht war dies der Höhepunkt seines Lebens, denn dass die Herrschaft über das Imperium eine Bürde war, war ihm bewusst – wie allen verantwortungsvollen Kaisern Roms.

Literatur:

Marcus Junkelmann: "Die Reiter Roms, Teil I,Verlag Zabern, Mainz 1990, ISBN 3-8053-1006-4

Peter Conolly: "Die Römische Armee", Tesloff-Verlag, Hamburg 1976, ISBN 3-7886-0180/9

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