Samstag, 26. April 2025

P. Quinctilius Varus

Varus wurde 47 oder 46 v. Chr. in Cremona geboren. Er war Patrizier und dem Kaiser Augustus familiär eng verbunden. Er begann seine Karriere als Quästor und begleitete Augustus zusammen mit Tiberius, der ungefähr fünf Jahre jünger als er war, auf dessen Orientreise (22-19 v. Chr). Wann genau er Prätor wurde, ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass er während des Alpenfeldzuges 15 v. Chr. prätorischer Legat war. Möglicherweise war er im folgenden Jahr Statthalter einer Provinz, eventuell sogar der neugeschaffenen Provinz Raetia.

Im Jahr 13 v.Chr. wurde er Konsul, zusammen mit Tiberius, an dessen spätere Herrschaft damals jedoch nicht zu denken war. Seine Frau Vipsania war eine Tochter von Agrippa. Ihre Halbschwester Vipsania Agrippina war die erste Frau des Tiberius. Die dritte Frau des Varus war Claudia Pulchra, wie Vipsania eine Großnichte des Augustus. Claudia Pulchra wurde später in den Hochverratsprozessen verurteilt; ihre enge Freundin Agrippina die Ältere konnte ihr nicht beistehen. Varus und Claudia Pulchra hatten einen Sohn, Publius Quinctilius Varus Minor.

Vermutlich 8 oder 7 v. Chr. wurde Varus Prokonsul der Provinz Africa und erreichte damit einen Höhepunkt der senatorischen Ämterlaufbahn. In diesem Zeitraum ließ er Münzen prägen, die ihn selbst mit Augustus und seinen Adoptivsöhnen Gaius und Lucius Caesar zeigten. Ungefähr um diese Zeit verbrachte Tiberius sein freiwilliges Exil auf Rhodos und man kann diese Münzprägung als einen Versuch deuten, sich von ihm zu distanzieren. Allerdings hatte Tiberius damals „nur“ die tribunizische Gewalt inne, er war nicht zum Nachfolger designiert und auf Grund seiner Abreise nach Rhodos war er Privatmann, wenn auch ein nach wie vor hochgeehrter. Beamte auf dem Weg in die Ostprovinzen besuchten Tiberius auf Rhodos.

Von 7/6 bis 5/4 v. Chr. war Varus Statthalter der Provinz Syria. Dort unterstanden ihm drei Legionen, und zu seinem Einflussbereich gehörte auch das Königreich Judäa, wo Herodes der Große regierte. Als Herodes seinen Sohn Antipatros wegen versuchten Vatermordes anklagte, war Varus Richter. Nach dem Tod des Herodes sandte er dessen drei Söhne nach Rom zu Augustus, damit dieser die Erbschaftsstreitigkeiten entscheiden konnte. Bei Auseinandersetzungen zwischen dem Procurator Sabinus und den Juden musste Varus militärisch eingreifen, und er ließ 2.000 Juden kreuzigen, um ein Exempel zu statuieren.

Im Zeitraum 7-9 n. Chr. war Varus kaiserlicher Legat in Germanien. Ob das Gebiet bereits Provinzstatus hatte, ist nicht genau bekannt. Varus hatte das Oberkommando über fünf Legionen. Offenbar sollte er die Romanisierung Germaniens vorantreiben. Er sprach Recht in Innergermanien und trieb Steuern ein. Dadurch erregte er wahrscheinlich den Ärger der Germanen und verhielt sich arrogant und undiplomatisch. Doch darüber kann man letztlich nur spekulieren. Varus zog im Jahr 9 mit drei Legionen und zahlreichen Hilfstruppen von Vetera beim heutigen Xanten entlang der Lippe zur Weser ins Sommerlager, um dort die Provinzialisierung voranzutreiben. Die beiden anderen Legionen verblieben in Mogontiacum.

Bei der Rückkehr ins Winterlager nahm Varus mit seinen Soldaten eine andere Route, da Arminius und sein Vater Segimer ihm dazu rieten: dort sei ein Aufstand ausgebrochen, den die Römer niederschlagen sollten. Arminius würde ihm mit seinen Cheruskern vorauseilen und sich dann mit dem römischen Heer vereinigen. Varus wurde vom Cheruskerfürst Segestes gewarnt, dass Arminius ihn in eine Falle locken wollte, aber Varus vertraute Arminius, mit dem er beinahe freundschaftlich verbunden war. Das Heer zog durch ein für die römische Kampftechnik ungünstiges Gelände und wurde dort von den Germanen unter Arminius angegriffen. Dieser kannte die Schwächen der Römer genau, weil er selbst in ihrem Heer gedient hatte.

In Kämpfen, die sich über vier Tage hinzogen, wurden die Römer samt ihrem Tross vernichtet. Viele Offiziere töteten sich selbst, ihnen voran Varus. Andere Offiziere, die in germanische Gefangenschaft gerieten, wurden als Menschenopfer in heiligen Hainen getötet. Arminius sandte dem Markomannenkönig Marbod den Kopf des Varus, um ihn zu einem Bündnis gegen die Römer zu bewegen. Marbod aber lehnte dies ab und sandte den Kopf an Augustus. Dieser ließ ihn im Mausoleum seiner Familie bestatten.

Es kam zu keiner Ächtung des Varus oder seiner Familie; die Schuld an der Vernichtung des römischen Heeres hatte Arminius, immerhin römischer Ritter, der nach römischer Version zum Verräter geworden war. Erst unter Tiberius wurde das Verhalten des Varus kritischer beurteilt. Laut Sueton gab Tiberius Varus die Schuld an der Katastrophe. Er verhielt sich als Feldherr in Germanien sehr vorsichtig, vermutlich auch durch die Niederlage veranlasst.

Literatur:

Ralf G. Jahn: Der Kampf der Arminius-Koalition gegen Rom, GRIN-Verlag, 2012, ISBN: 978-3-656-24645-9

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