Samstag, 12. April 2025

Römer und Germanen vor der Varusschlacht: Zeitraum 17-8 v. Chr.

Caesar schrieb in seinen Kommentaren über den Gallischen Krieg: Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur – ganz Gallien ist in drei Teile geteilt, Aquitanien, Belgica und Gallia Celtae. Die Gallier, die von Caesar besiegt wurden, waren Kelten. Augustus richtete drei gallische Provinzen ein: Gallia Aquitania, Gallia Lugdunensis (nach der Provinzhauptstadt Lugdunum – Lyon) und Gallia Belgica. Caesar war auch derjenige, der die Bewohner rechts des Rheins als Germanen bezeichnete. Es handelte sich nicht um ein Volk oder gar eine Nation, sondern um verschiedene Stämme mit teils sehr unterschiedlichen Interessen. Antike Autoren schildern das Land als unwegsam, rau und unzugänglich, geprägt von Urwäldern und Sümpfen. Archäologisch ist das widerlegt: es gab nicht nur Gebirge und Moore, sondern auch offene Landschaften mit Siedlungen, die durch ein Netz von Wegen miteinander verbunden waren. Man kann die Stammesgebiete zwar grob lokalisieren, aber nicht scharf voneinander abgrenzen. Römische Feldzüge führten dazu, dass sich Siedlungsgebiete verschoben, dass sich Stämme zusammenschlossen und Heere bildeten, die später wieder zerfielen.

Gallien war zwar unterworfen, doch germanische Verbände unternahmen immer wieder Überfälle auf linksrheinische Gebiete. Im Zeitraum 17/16 v.Chr. fielen drei germanische Stämme, die Sugambrer, Usipeter und Tencterer, nach Gallien ein und die Römer unter dem Statthalter M. Lollius erlitten eine Niederlage, bei der sogar der Adler der V. Legion in die Hände der Feinde fiel. In Folge dieser Krise kam Augustus selbst nach Gallien, um dort die Verhältnisse zu ordnen. Er sorgte für Straßenverbindungen von Gallien an den Rhein und die Versorgung der Truppen, die er an den Rhein verlegte. Nijmegen war eine wichtige Station für diese Operationen; dort befand sich auch ein geräumiges Prätorium mit dienstlichen und privaten Räumlichkeiten, das vermutlich den jeweiligen Oberbefehlshabern – Drusus, Germanicus und Tiberius – als Kommandozentrale diente. Weitere Legionslager entstanden in Neuss, Moers, Mainz, Bonn und Vetera beim heutigen Xanten.

Über die Flüsse Ems, Weser und Elbe konnten die Römer auch mittels ihrer Marine nach Süden vordringen, ohne sich gegen Angriffe an Land behaupten zu müssen. Drusus ließ einen Kanal errichten, der den Rhein mit dem Ijsselmeer verband. Von dort aus konnte die Rheinflotte ins Wattenmeer, an der Insel Vlieland vorbei in die Nordsee und von dort aus in die Flüsse fahren. Dieser Kanal wurde bis 69 n.Chr. genutzt.

Nachdem Tiberius und Drusus im Jahre 15 v. Chr. die Alpenvölker unterworfen hatten, erhielt Drusus im Jahr 12 v. Chr. das Imperium, d.h. den Oberbefehl für einen Rachefeldzug gegen die Germanen. Vorangegangen war ein Überfall der Sugambrer und befreundeter Stämme auf gallische Gebiete, während dort der Provinzialcensus stattfand (Schätzung der Bevölkerung und ihres steuerpflichtigen Besitzes/Einkommens). Drusus, der jüngere Bruder des Tiberius, damals 26 Jahre alt, schlug die Germanen zurück und eröffnete seine Strafexpedition in Gebiete jenseits des Rheines. Ziel waren die Gebiete der Usipeter und Sugambrer. Währenddessen fuhr die Flotte den Rhein hinunter und ins Gebiet der Chauken und Friesen. Aufgrund nautischer Unkenntnis lief die Flotte im Wattenmeer bei Ebbe auf Grund. Man muss sich das mal vorstellen! Dieser Fehlschlag hat dem Ruhm von Drusus offenbar nichts anhaben können. Als sich das Heer in die Winterlager zurückziehen musste, waren die Sugambrer noch unbesiegt.

Im Folgejahr (11 n.Chr.) überquerte Drusus den Rhein bei Vetera und Mainz. Er besiegte die Usipeter, ließ eine Brücke über die Lippe bauen, zog durch das Land der Sugambrer und weiter in das Gebiet der Cherusker. Diese Operation wurde durch den beginnenden Winter und Proviantmangel beendet: Drusus konnte die Weser nicht überqueren, sondern zog sich zurück. Bei diesem Rückzug ließ er zwei Militärlager errichten: eins im Taunus, im Gebiet der Chatten, und eins bei Oberaden. Auch dieser Feldzug hatte den ersehnten Erfolg nicht gebracht.

Im Jahr 10 v.Chr. verwüstete Drusus das Gebiet der Chatten, die mit den Sugambrern verbündet waren. Bei dieser Operation wurde der Versorgungspunkt Rödgen angelegt. Der dortige Speicher konnte den Getreidebedarf von drei Legionen für einen Zeitraum von sechs Monaten decken und war somit wichtig für die Versorgung der Truppen während der Drusus-Feldzüge. In diesem Jahr war es Drusus gelungen, einige Gebiete zu sichern, doch eine strategische Wende zugunsten der Römer war bisher ausgeblieben.

Im Jahr 9 v.Chr. fiel Drusus mit seinen Truppen ins Gebiet der Chatten ein, drang weiter in das Land der Sueben vor, marschierte durch die Gebiete der Cherusker und rückte von dort aus bis zur Elbe vor, und seine Truppen schlugen Schneisen der Verwüstung durch Germanien. An der Elbe stoppte Drusus. Hier soll ihm eine Frauengestalt von übermenschlicher Größe erschienen sein, die ihn warnte, weiter vorzudringen. Jedenfalls verzichtete er darauf, mit seinen Truppen die Elbe zu überqueren, und trat den Rückzug an. Kurz darauf stürzte er vom Pferd, brach sich den Oberschenkel und starb an den Folgen der Verletzung.

In Folge dieser Feldzüge hatte sich Rom als ernstzunehmender Gegner im Gebiet westlich der Elbe etabliert. Dennoch war es zu diesem Zeitpunkt nicht geplant, das sogenannte freie Germanien dem Imperium einzuverleiben, und nur wenige Gebiete blieben von den Römern beherrscht.

Im Jahr 8 v. Chr. führte Tiberius die Feldzüge seines Bruders ins rechtsrheinische Gebiet fort, ohne dass darüber Genaues bekannt ist. Rom hatte seine Kriegsziele erreicht: die Sugambrer hatten sich unterworfen, die Sueben und Markomannen waren abgewandert. Doch trotz der Feldzüge des Drusus waren die wenigsten Volksstämme unterworfen worden. Die Sugambrer waren umgesiedelt worden, und die Cherusker?

Der Stamm war in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Interessen gespalten, es gab eine Fraktion der Rom-Sympathisanten, denen der Fürst Segestes, Konkurrent bzw. Rivale des Arminius, vorstand, und diese Fraktion herrschte im Zeitraum 4-9 n. Chr. Dann kippte die Stimmung, und die romfeindliche Fraktion unter Arminius gewann die Oberhand.

Literatur:

Günther Moosbauer: Die Varusschlacht, Beck-Verlag München, 2009, ISBN 978 3 406 56257 0

Ralf G. Jahr: Der Kampf der Arminius-Koalition gegen Rom, GRIN-Verlag, ISBN 978-3-656-24645-9

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