Freitag, 19. Dezember 2025

Kaiser Tiberius als Wohltäter

Im Jahr 17 n.Chr. kam es zu einem verheerenden Erdbeben in Kleinasien, das als Zwölf-Städte-Beben in die Geschichte einging, eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß. Besonders war die Stadt Sardes betroffen, gelegen in der heutigen westlichen Türkei, damals Provinz Lydia. Tacitus berichtet, dass die Erde nachts zu beben begann und viele Menschen im Schlaf überrascht wurden. Auch Flucht ins Freie half kaum, da die Menschen in Erdspalten stürzten. Berge wuchsen empor, wo früher Ebene gewesen war, und aus Trümmern schlugen Flammen.

Tiberius stellte zehn Millionen Sesterzen für den Wiederaufbau der Stadt Sardes zur Verfügung und erließ die Steuern für die nächsten fünf Jahre. Aber auch die anderen elf Städte wurden von Rom unterstützt, und mit der Koordination der Hilfsmaßnahmen wurde ein erfahrener Senator beauftragt, der auch Spezialisten mitbrachte.

Die Bewohner der betroffenen Städte waren sehr dankbar, und sie stellten in Rom und in der Hafenstadt Puteoli dem Kaiser zu Ehren Statuen auf, wo er als Wohltäter dieser Städte gepriesen wurde. Er selbst ließ Münzen prägen, die ihn sitzend darstellen, und die Aufschrift lautet „Aufgrund der Wiederherstellung der Städte in Asia“.

Im Jahr 23 bebte die Erde wieder in Kleinasien und auch in Griechenland, und Tiberius gewährte einen Steuererlass von drei Jahren. Die Kombination aus Aufbauhilfe, Sendung von Experten und Steuererlass wurde beispielhaft auch für die Zukunft. Kaiser Titus verhielt sich ähnlich bei dem Vesuvausbruch im Jahr 79.

In Fidenae, nördlich von Rom gelegen, stürzte im Jahr 27 n. Chr. ein vollbesetztes Amphitheater während der Gladiatorenkämpfe ein. Tausende Menschen starben. Tiberius hatte sich gerade erst nach Capri zurückgezogen, reiste aber wieder auf das Festland, wo er für die Menschen zu sprechen war. Der Senat legte in Folge des Unglücks härtere Auflagen für derartige Veranstaltungen fest, von Tiberius bewilligt oder sogar von ihm angeregt.

Im Jahr 33, zwei Jahre nach dem Sturz Seians und vier Jahre vor seinem Tod, konnte Tiberius von Capri aus eine Finanzkrise abwenden, indem er viel Geld für Kredite zur Verfügung stellte, die die Wirtschaft wieder in Gang brachten.

In wirklichen Notlagen half Tiberius großzügig und unbürokratisch, verließ sogar zeitweise seinen Rückzugsort.

Sein Nachfolger Caligula beklagte einmal, in welch bedeutungsloser Zeit er doch leben müsse: keine schlimmen Niederlagen und keine Katastrophe wie der Einsturz des Theaters in Fidenae - Ergänzung: gaben ihm Anlass, sich als Wohltäter zu profilieren. Seiner eigenen Regierungszeit drohe das Vergessen, weil alles zu glatt gehe. So makaber das klingt, offenbart es doch den Wunsch des Kaisers, seinerseits großzügig zu helfen und sich als Retter inszenieren zu können.

Literatur:

Holger Sonnabend: Tiberius – Kaiser ohne Volk, Verlag Zabern, 2021, ISBN 978-3-8053-5258-1

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