Samstag, 3. Januar 2026

Die Olympischen Spiele in der Antike

Tiberius und Germanicus, römische Prinzen, waren auch Olympiasieger. Ehe ich mich ihrer Disziplin zuwende, ein paar allgemeine Gedanken zu dem Thema. Olympia war ein Heiligtum des Zeus in Elis auf der Halbinsel Peloponnes. Dort wurden die olympischen Spiele der Antike ausgetragen. Zeus war auch der göttliche Schirmherr; ihm zu Ehren wurden die Spiele durchgeführt.

Die olympischen Spiele sind sehr alt: 2.800 v.Chr. oder noch früher begannen sie. Zeus wurde in Olympia seit 1.000 v.Chr. verehrt. Ursprünglich waren es religiös motivierte Veranstaltungen zu Ehren des Göttervaters. Die ersten offiziellen Wettkämpfe begannen 776 v.Chr. und fanden aller vier Jahre statt. Alle freien griechischen Bürger konnten daran teilnehmen. Frauen und Fremde waren ausgeschlossen. Die Kenntnis der griechischen Sprache war ein wichtiges Kriterium. Später kamen Athleten aus der ganzen antiken Welt nach Olympia.

Motiviert wurden sie durch das Streben nach Ruhm und Ehre und natürlich nach dem Sieg. Jeder Athlet trainierte mit dem Ziel, Sieger zu werden. Nicht der Olivenzweig, den der Sieger erhielt, war das Wesentliche. Natürlich wurde dieser Zweig als Trophäe in Ehren gehalten, aber entscheidend waren die Berühmtheit, die die Sieger erlangten, und damit Unsterblichkeit.

Die Verlierer bekamen nichts, mussten sich sogar verstecken und manche kämpften lieber bis zum Tod, als aufzugeben – denn das galt als Schande. Antike Wettkämpfe endeten oft tödlich, denn es gab kaum Regeln; Rücksichtslosigkeit und Brutalität waren nicht nur üblich, sondern zum Siegen fast unvermeidlich. Ich sehe Parallelen zwischen den damaligen Wettkämpfen und den „Spielen“ in Rom, den Gladiatorenkämpfen und Wagenrennen. Die Disziplin der Wagenrennen gab es auch in Olympia.

Das Stadion war ein Platz aus gestampfter Erde; die Zuschauer saßen ringsum auf der Böschung. Damals konnten sich 45.000 bis 50.000 Griechen dort hinsetzen und zusehen. Zum Vergleich: der Circus Maximus in Rom hatte 150.000 Plätze, das Kolosseum 80.000. Schirme oder Sonnensegel gab es nicht, waren sogar verboten. Entsprechend waren die Menschen tagsüber – im Sommer – der Hitze ausgesetzt.

Die Spiele begannen am ersten Vollmond des Monats August. Die Athleten reisten schon einen Monat früher nach Elis, um von den Kampfrichtern überprüft zu werden und um zu trainieren. Kurz vor den Spielen reisten dann an die 100.000 Zuschauer an. Sie verbrachten die Tage und Nächte ringsum auf den Feldern und unter den Olivenbäumen rings um den Tempel. Man kann sich das ziemlich gut vorstellen!

Sogar Nationen, die sich im Krieg miteinander befanden, nahmen an den Spielen teil. Während der Spiele herrschte Gefechtspause und die Athleten genossen drei Monate lang Immunität. Bei ihrer Ankunft mussten die Athleten ihre Herkunft und ihr Alter melden, natürlich auch ihren Namen. Das Alter war wichtig für die Altersklasse, in der sie antraten. Es konnte passieren, dass Bewerber auf Grund ihrer Jugend ausgeschlossen wurden und sich die nächsten vier Jahre gedulden mussten.

Am ersten Tag unterzogen sich die Teilnehmer einem Reinigungsritual. Sie versammelten sich, während die Priester dem Zeus ein Opfer darbrachten, und schworen Fairness, Disziplin und Beachtung der Regeln. Der damalige Eid hat sich bis heute nur wenig verändert.

Schöne, muskulöse Körper und ein Kampf voller Schmerz und Leidenschaft begeisterten die Menschen der Antike. Die Männer kämpften nackt, und das galt auch nicht als anstößig. Ursprünglich war ein Lendenschurz üblich, hatte sich aber als hinderlich erwiesen. Junge Mädchen durften den Spielen noch beiwohnen, verheirateten Frauen war der Zutritt zum gesamten Bezirk untersagt.

Literatur:

Umberto Pappalardo: „Zu Ehren des Zeus – die Olympischen Spiele der Antike“, wgb, 2020, 978-3-8053-5228-4

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