Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Freitag, 16. Januar 2026
Olympische Disziplinen der Antike
Eine der beliebtesten Disziplinen der Antike war der Faustkampf. Es ging damals wesentlich brutaler zu als beim heutigen Boxen: Es gab keine Pausen, keine Gewichtsklassen, keine gepolsterten Handschuhe, sondern die Lederstreifen, mit denen die Hände geschützt wurden, waren manchmal noch mit Metallnägeln beschlagen, die dem Gegner Verletzungen zufügten. Gekämpft wurde bis zum Zusammenbruch, manchmal bis zum Tode.
In ihrer Fähigkeit, Schmerzen sowie Hitze und Staub zu ertragen, waren die Athleten gesellschaftliche Vorbilder. Dauerte ein Wettkampf zu lange, ordneten die Schiedsrichter an, dass die Kämpfer sich wechselseitig schlagen mussten, wobei sich derjenige, der den Schlag empfing, nicht rühren durfte, d. h., ihm war keine Verteidigung erlaubt. Auf diese Weise konnte es zu schweren Verletzungen kommen, mitunter auch zum Tod.
Nicht weniger brutal ging es beim Pankration, dem Ringen mit bloßen Händen, zu. Es war eigentlich alles erlaubt, außer zu beißen und dem Gegner die Augen einzudrücken. Die Wettkämpfer zogen einander an den Genitalien, würgten einander oder brachen einander die Finger. Obwohl dies im 5. Jahrhundert vor Christus verboten wurde, wurde es weiterhin praktiziert.
Die Athleten verfügten nicht über heutige Fitnessgeräte, und dennoch trainierten sie hart und konsequent. Statuen zeigen sie mit muskulösen Körpern. Beispielsweise wurden Felsbrocken gestemmt und große Steine wie Hanteln benutzt.
Doch die meisten Unfälle passierten beim Wagenrennen. Zwei- und Viergespanne kämpften um den Sieg. Diese Rennen fanden zu Ehren Poseidons statt. Der Gott war Schutzherr der Pferde. Deswegen hieß die Arena Hippodrom, nach hippos (Pferd). Die Rennen liefen ähnlich ab wie die Zirkusrennen in Rom und so, wie sie aus Historienfilmen wie „Ben Hur“ bekannt sind. Die Gespanne rasten mit hoher Geschwindigkeit durch die Arena und um die Kurven, und es war durchaus üblich, die Konkurrenz zu sabotieren. Zusammenstöße und Stürze mit schwerwiegenden Folgen für die Wagenlenker gehörten dazu. Bei einem Wettkampf sollen 40 Athleten verunglückt sein, und allein der Sieger kam ins Ziel.
Sieger der Pferderennen waren nicht die Wagenlenker bzw. die Jockeys (denn es gab auch Pferderennen ohne Wagen), sondern die Besitzer der jeweiligen Rennställe. Das konnten auch Frauen sein, die aber nicht in der Arena auftraten, sondern im Hintergrund blieben.
Nun komme ich zu dem Punkt, weshalb mich Olympia interessiert: Tiberius und Germanicus, zwei römische Prinzen, wurden Olympiasieger im Tethrippon, d. h., sie siegten mit einem Vierergespann, einer Quadriga. Germanicus konnte seinen Ambitionen während seines Orient- und Griechenlandaufenthaltes im Jahre 17 n. Chr. nachgehen, zwei Jahre vor seinem Tod. Wann genau Tiberius siegte, ist im Detail nicht bekannt. Auch bei ihm bietet sich der Zeitpunkt seiner ersten diplomatischen Mission im Osten des Imperiums an, die 20 v. Chr. stattfand.
Interessieren würde mich, ob dies, vor allem bei Tiberius, auf Anregung von Augustus geschah, der bekanntlich die griechische Lebensart liebte. Germanicus kann ja dem Beispiel seines Adoptivvaters gefolgt sein. Obwohl Germanicus und Tiberius als Feldherren waffenerprobt und durchtrainiert waren, kann es gut sein, dass sie gar nicht selbst die Wagen lenkten, sondern dass nur ihre Pferde im Rennen waren. Wagen kamen in der römischen Armee normalerweise nicht zum Einsatz, und es fällt mir auch schwer, zu glauben, dass sich die Prinzen aus dem römischen Kaiserhaus der körperlichen Gefahr eines Rennens aussetzten. Wahrscheinlich mussten sie so oder so gewinnen.
Literatur:
Umberto Pappalardo: „Zu Ehren des Zeus – die Olympischen Spiele der Antike“, wgb, 2020, 978-3-8053-5228-4
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