Freitag, 30. Januar 2026

Die Bedeutung von Olympia

Nicht nur Athleten kamen nach Olympia, sondern auch bekannte Philosophen wie Platon und Sokrates. Gelehrte sprachen und lasen auf den Stufen des Zeus-Tempels. Die Zeus-Statue in Olympia zählt zu den sieben Weltwundern der Antike.

Die Statue wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. von dem Bildhauer Phidias geschaffen. Sie stellt den Gott auf einem Thron sitzend dar. Der Kern der Statue war aus Edelholz, die unbekleideten Körperpartien waren mit Elfenbein bedeckt. Große Teile der Statue waren aus purem Gold, der Thron des Gottes aus Ebenholz. Die Statue hatte eine Höhe von fast 13 Metern, ihr Kern bestand aus Zypressen und Edelholz. Die Statue ist nicht erhalten, aber ihr Fundament wurde gefunden. In der rechten Hand hielt Zeus eine Statue der Göttin Nike, in der linken Hand einen Stab. Auch die Basis der Säule war mit Plastiken geschmückt. Bemalte Schranken hielten Besucher auf Abstand. Von der Statue ist von Beschreibungen und Abbildungen auf Münzen leider nichts erhalten.

Im Heiligtum gab es viele Brunnen für die Besucher und sogar eine Art Hotel, in dem 50 Leute Platz fanden. Das können nur sehr angesehene Gäste gewesen sein, die auch luxuriös verpflegt wurden. Die Masse des Publikums richtete sich unter freiem Himmel ein und verpflegte sich selbst.

Angesehen waren die Athleten des Pentathlon: fünf Sportarten übten sie aus (wie der Name sagt): Laufen, Weitsprung, Speerwerfen, Diskuswerfen und Ringen. Dafür mussten sie jahrelang in den Gymnasien trainieren. An dieser Stelle noch einmal: Unter einem Gymnasion verstand man damals einen Ort, wo die Männer vor allem in sportlichen Disziplinen trainierten und damit auch auf den Wehrdienst vorbereitet wurden. Es gab aber auch andere Bildungsveranstaltungen: Philosophen und Gelehrte sprachen dort, es gab Bäder und Bibliotheken. Doch Schwerpunkt blieb immer die Körperertüchtigung. Beim Training wurden die Athleten sogar musikalisch begleitet.

Die antiken Gymnasien und Sportveranstaltungen waren auch Kontaktanbahnungsstellen. Homoerotische Beziehungen zwischen Männern und Knaben bzw. jüngeren Männern gehörten zur griechischen Lebensart. Der ältere Mann nahm in solchen Beziehungen die Rolle des Mentors ein. Es waren nicht immer platonische Beziehungen, aber Gewalt war streng verboten und wurde bestraft. Diese Vorliebe erfahrener Männer für Knaben und junge Männer lebte auch in der römischen Oberschicht weiter, obwohl sie allgemein verpönt war. Von römischen Kaisern wie Trajan und Hadrian sind solche Vorlieben überliefert. Die Überlieferung zu Tiberius berichtet von bizarren Dingen, worauf ich in einem anderen Text eingegangen bin.

Zwischen dem Zeus-Tempel und dem Hera-Tempel befand sich ein Altar des Zeus. Durch Asche, Kohle und die Knochen tausender Tiere, geopfert in vielen Jahrhunderten, soll er ungefähr 10 Meter hoch gewesen sein. Um neue Opfer hinaufzubringen, mussten die Priester Treppen steigen. Am ersten Tag wurden hundert Tiere geopfert! Ein Großteil des Fleisches wurde aber an die Teilnehmer verteilt, wie das auch bei anderen Opfern üblich war. Es wäre Verschwendung gewesen, es zu verbrennen.

Am zweiten Tag traten die Läufer im Stadion an. Sie starteten mit vorwärtsgestreckten Armen. Fehlstarts wurden mit der Peitsche bestraft. Das Stadion war 192 Meter lang. Herakles, der Begründer der Olympischen Spiele, soll diese Strecke in einem Atemzug gelaufen sein. Ob Zeiten gemessen wurden, ist nicht belegt. Es war wichtiger, schneller als die anderen Teilnehmer zu sein, als Rekorde aufzustellen. Außer diesem Schnelligkeitslauf gab es auch Ausdauerläufe über die zweifache Stadionlänge, sieben, zwölf oder 24 Stadionlängen.

Am letzten Tag liefen die Hopliten. Diese Athleten waren wie Fußsoldaten der Armee ausgestattet und liefen mit voller Ausrüstung hin und zurück, d. h. 384 m. Damit endeten die Olympischen Spiele und auch der Waffenstillstand zwischen verfeindeten Städten.Die antiken olympischen Spiele fanden über einen Zeitraum von ungefähr 1.200 Jahren statt. Die Bedeutung von Olympia hat sich bis heute gehalten.

Literatur:

Umberto Pappalardo: „Zu Ehren des Zeus – die Olympischen Spiele der Antike“, wgb, 2020, 978-3-8053-5228-4    

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