Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Freitag, 13. Februar 2026
Tiberius gegen die fremden Kulte
Im Jahr 19 n. Chr. bestrafte Kaiser Tiberius zuerst die Ägypter, dann die Juden, die in Rom lebten. Das war kein neues Vorgehen; auch in der Republik hatte es schon Sanktionen gegen sie gegeben.
Anlass zum Eingreifen von Tiberius waren Kriminalfälle, in die jüdische Männer und Priester der ägyptischen Göttin Isis verwickelt waren.
Die Juden hatten eine reiche und mit dem jüdischen Glauben sympathisierende Römerin überredet, ihnen eine großzügige Geldspende für den Tempel in Jerusalem zu übergeben, die jene Männer aber keineswegs nach Jerusalem brachten, sondern für sich behielten. Der Ehemann der Frau wandte sich an den Kaiser.
Im anderen Fall waren Isis-Priester, die sich hatten kaufen lassen, in einen Fall von Ehebruch verwickelt. Auch dieser Fall kam vor den Kaiser. Die korrupten Priester wurden gekreuzigt.
Tiberius ging hart gegen die Juden und Ägypter vor. Fremde Kulte wurden geduldet, aber wenn Römer geschädigt wurden, musste der Kaiser reagieren. Juden und Ägypter mussten ihre Gewänder und Opfergeräte verbrennen. Der Isis-Tempel in Rom wurde zerstört; die Trümmer wurden in den Tiber geworfen. Viertausend Juden im tauglichen Alter wurden nach Sardinien deportiert und dort im Kampf gegen Straßenräuber eingesetzt. Dass sie in dem ungesunden Klima der Insel womöglich nicht lange überlebten, wurde als positiver Nebeneffekt angesehen. Vor allem die sumpfigen Niederungen der Insel galten als krankheitsfördernd, auch in Verbindung mit großer Hitze und Wassermangel im Sommer. Diejenigen, die nicht deportiert worden waren, mussten ihrem Glauben abschwören – oder Italien verlassen.
Doch in anderen Fällen nahm Tiberius Partei für die Juden. Pontius Pilatus, Präfekt von Judäa, provozierte die einheimische Bevölkerung, als er seine Truppen aus Caesarea ins Winterquartier nach Jerusalem verlegte. Die Soldaten trugen das Bild des Kaisers auf den Feldzeichen und Pilatus ließ sie die Feldzeichen dort aufstellen. Ein andermal ließ er vergoldete Inschriften am Tempel anbringen, in denen er das Gebäude als ihm und dem Kaiser geweiht erklärte. Ob die Inschriften noch mit Bildern geschmückt waren, was gegen die jüdische Religion verstoßen hätte, ist nicht überliefert. Eine Abordnung erschien bei Pilatus und bat ihn, die Schilder zu entfernen, da sie gegen ihr frommes Empfinden verstießen. Falls der Kaiser ihn dazu ermächtigt habe, solle er das nachweisen. Weigerte er sich, würden sie sich an den Kaiser in Rom wenden. Pilatus ahnte wohl, dass er zu weit gegangen war, ließ es aber darauf ankommen und nahm eine Beschwerde in Kauf.
Der Brief kam bei Tiberius kurz vor seinem Tode an. Der Kaiser rügte Pilatus und wies ihn an, die Schilder unverzüglich zu entfernen und zum Tempel des Kaiserkultes in Caesarea zu bringen. Diese Reaktion zeigt, dass Tiberius an Ruhe und Stabilität auch in den Provinzen gelegen war.
Literatur:
Holger Sonnabend: Tiberius – Kaiser ohne Volk, Verlag Zabern, 2021, ISBN 978-3-8053-5258-1
Ute Schall: Die Juden im Römischen Reich, Verlag Pustet Regensburg, ISBN 3-7917-1786-3
Gabriel Zuchtriegel: Pompejis letzter Sommer, Propyläen-Verlag, ISBN 978-3-549-11000-3
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