Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Donnerstag, 14. Mai 2026
Tod des Tiberius am 16. März 37
Zwei Jahre vor seinem Tod, im Jahr 35, machte Tiberius sein Testament. Es gab zwei identische Ausführungen, eine von ihm selbst verfasste und eine weitere Version gleichen Wortlautes, von seinem Freigelassenen aufgeschrieben bzw. abgeschrieben.
Tiberius setzte seine beiden Enkel, Gaius – Caligula, Sohn seines Adoptivsohnes Germanicus, und Tiberius Gemellus, Sohn seines leiblichen Sohnes Drusus, zu gleichen Teilen als Erben ein. Außerdem bedachte er die Vestalinnen, die Soldaten und jeden einzelnen Mann aus dem Volk.
Er konnte sich nicht entscheiden, einen Nachfolger zu benennen. Sein leiblicher Enkel stand ihm näher, war aber noch zu jung. Der Kaiser soll vorhergesehen haben, dass Gaius Tiberius Gemellus umbringen würde, aber auch selbst einen gewaltsamen Tod sterben würde. Er soll sogar an Claudius gedacht haben, aber sich gegen ihn entschieden haben, weil er ihn für schwachsinnig hielt. Die Entscheidung lag am Ende beim Gardepräfekten Macro, und dieser favorisierte Gaius. Tiberius soll zu ihm gesagt haben, er wende sich von der untergehenden Sonne ab und der aufgehenden Sonne zu.
Tiberius war schon zum Jahresbeginn, zwei Monate vor seinem Tod, ernsthaft krank und der Senat brachte Gelübde für seine Gesundheit dar. In den letzten Wochen seines Lebens reiste er noch einmal Richtung Rom, brach die Reise jedoch ab, angeblich wegen eines schlechten Vorzeichens. Er kehrte nach Kampanien zurück. In Astura brach seine Krankheit aus, ein Fieber und eine allgemeine Schwäche, körperlich und wahrscheinlich auch psychisch. In Circeii, der nächsten Station seiner Reise, fanden gerade Spiele statt, und er sah sie sich nicht nur an (was er normalerweise nicht zu tun pflegte), sondern versuchte, von seiner Loge aus einen Eber mit einem Speer zu treffen. Aber durch diese Tat verschlimmerte sich seine Krankheit, und er musste ein paar Tage im Bett verbringen, bis die Reise nach Misenum weiterging. Tacitus und Sueton berichten, dass er seine Umgebung weiterhin über seinen Zustand hinwegtäuschen wollte. Er arbeitete weiter, las die Senatsprotokolle und war über einige Nachlässigkeiten so verärgert, dass er unbedingt nach Capri zurückkehren wollte, wo er sich sicher fühlte. Doch das Wetter und seine Krankheit verhinderten die Überfahrt.
Die Historiker bieten drei Versionen seiner letzten Stunden. Sueton berichtet, dass er seine Diener gerufen hatte, und, da niemand erschien, vom Bett aufstand, wo er dann aus Entkräftung zusammenbrach und starb. Es gab auch Gerüchte, wonach Gaius ihn durch ein langsam wirkendes Gift umgebracht habe. Nach Tacitus hatte Tiberius schon aufgehört zu atmen und Gaius nahm Glückwünsche als neuer Herrscher entgegen, als der alte Mann plötzlich wieder zu atmen und zu sprechen begann. Der Gardepräfekt Macro befahl daraufhin, ihn mit Kleidungsstücken oder einem Kissen zu ersticken.
Der Jubel über das Ende des ungeliebten Herrschers war groß, und Gaius, der Sohn des beliebten Germanicus, wurde mit Freude und Herzlichkeit willkommen geheißen. Zwei Jahre später sollten sich die unangenehmen Seiten des jungen Kaisers offenbaren. Dann kam der Zeitpunkt, von dem Sueton schreibt: Bis hierhin vom Kaiser, jetzt muss über das Scheusal berichtet werden.
Literatur:
Suetons Kaiserbiographien, Langscheidtsche Bibliothek, Band 106, 1914
Publius Cornelius Tacitus: Sämtliche Werke, Magnus Verlag, Essen, 2004, ISBN 3-88400-005-5
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