Donnerstag, 3. September 2026

Glamour, Spaß und Visionen - ein Twen regiert ein Weltreich

Caligula war 24 Jahre alt, als er die Herrschaft über das Römische Reich übernahm. Er war natürlich nicht in der Position gewesen, sich aus eigenem Wunsch dafür zu entscheiden. Er verdankte seine Alleinherrschaft denen, die ihn unterstützt hatten: dem Prätorianerpräfekten Macro, seinem früheren Schwiegervater Marcus Iunius Silanus, den beiden amtierenden Konsuln und anderen führenden Männern im Senat.

Jene führenden Männer versprachen sich durch ihre Mitwirkung auch eigene Vorteile und eigenen Einfluss. Macro hatte Gaius auf Capri mehrmals das Leben gerettet und gab dem jungen Mann auf väterliche Weise gute Ratschläge. Er und Silanus taten ihr Bestes, um den jungen Kaiser zu einem guten Regenten zu erziehen. Und ihre Ratschläge beschränkten sich nicht nur auf sein offizielles Auftreten, sondern sie betrafen auch Gastmähler und Freizeit. Sie ermahnten Gaius beispielsweise, sich von Gesangs- und Tanzaufführungen nicht allzu sehr mitreißen zu lassen, nicht jungenhaft über derbe Witze zu lachen und bei Gelagen nicht einzuschlafen. Die ersten zwei Jahre seiner Herrschaft orientierte sich Gaius am Principat des Augustus. Er regierte geradezu vorbildlich. Der Einfluss seiner Berater war spürbar.

So schränkte er die Möglichkeiten der Bürger ein, sich an ihn selbst zu wenden, was den Senat aufwertete. Für ganz Italien erließ er die zuvor schon gesenkte Verkaufssteuer von 0,5 %. Und er ließ das alte Verfahren der Magistratswahlen wieder den Volksversammlungen übertragen. Er gestattete wieder die Gründung von Collegia – Vereinen, die immer wieder aus politischen Gründen verboten worden waren. Sogar Trajan bestand auf solchen Verboten und untersagte sogar das Einrichten einer freiwilligen Feuerwehr in Bithynien.

Gaius veranstaltete prachtvolle und blutige Spiele. Geschichtsschreiber durften ihre Werke wieder freimütig veröffentlichen. Mit all diesen Maßnahmen bemühte er sich um eine breite Akzeptanz, doch er stützte sich nicht mehr nur auf die Oberschicht, sondern auch auf das Volk, das ihn liebte.

Gaius wollte seiner Herrschaft einen besonderen Glanz verleihen. Dafür sprechen die zahlreichen Schenkungen an das Volk und die Soldaten, die Feierlichkeiten und Spiele. Auch sein privater Haushalt war nicht gerade bescheiden. Er ließ auf dem Palatin in Rom bauen, aber auch außerhalb von Rom ließ er sich prächtige Villen und Landsitze errichten, mit denen er die seiner Vorgänger übertraf. Kein Berg war zu hoch, kein Meer zu tief, um überwunden zu werden. Die schwierigsten und aufwändigsten Projekte lagen ihm besonders am Herzen.

Im privaten Umgang setzte er sich mehr und mehr über die Etikette hinweg. Zunehmend umgab er sich mit Schauspielern, Tänzern, Wagenlenkern, Pantomimen, und seine Begeisterung für die Freizeitvergnügungen ging bald über das hinaus, was sich für einen Aristokraten und besonders einen Kaiser gehörte. Er konnte zornig werden und das Volk verwünschen, wenn es seine Begeisterung für einen Schauspieler nicht teilte. Gastmähler beim Kaiser waren ungeheuer luxuriös, wodurch er sich über die gesamte Aristokratie stellte. Er soll in Essig aufgelöste Perlen getrunken haben, und andere wohlhabende Männer, die ihm nacheifern wollten, gerieten dabei in finanzielle Schwierigkeiten. Der Einfluss der Senatoren aus alten Familien begann zu schwinden. Gaius setzte vor allem auf „neue Männer“, die aus dem Ritterstand aufgestiegen waren, und auf seine Freigelassenen. Damit setzte er sich von Augustus und auch von Tiberius ab und fühlte sich vermutlich von befreundeten Klientelkönigen inspiriert, die ihre Macht nicht mit einer Aristokratie teilten. Für einen jungen Mann, der sich viele Jahre lang anpassen musste und in Lebensgefahr schwebte, ist es verständlich, dass er seine Möglichkeiten erkannte und auszukosten begann. Doch es war auch etwas Einschneidendes geschehen: die erste schwere Krise, seit er Kaiser war.

Literatur:

Aloys Winterling: "Caligula", Beck-Verlag, München 2019, ISBN 978 3 406 74269 9

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