Donnerstag, 1. Oktober 2026

Der Tod der Lieblingsschwester

Gaius hatte ein besonders enges Verhältnis zu seinen Schwestern Agrippina, Drusilla und Livilla. Das war nicht verwunderlich, denn sie waren die einzigen engen Verwandten, die ihm geblieben waren. Mit ihnen war er aufgewachsen und hatte nach der Verbannung seiner Mutter mit ihnen zusammen im Haus seiner Urgroßmutter Livia und später bei seiner Großmutter Antonia gelebt.

Als er Kaiser war, ließ er auch seine Schwester ehren, indem er sie auf Münzen abbilden ließ, und ließ die Leute bei jedem Eid auf sich selbst und seine Schwestern schwören. Seine Lieblingsschwester war Drusilla. Sie trat öffentlich wie eine Kaiserin in Erscheinung und sie und Gaius sollen ein inzestuöses Verhältnis gehabt haben – ob das wirklich so war, lässt sich nicht mehr herausfinden. Gaius setzte sie als seine Erbin ein, indirekt auch als Thronerbin, was einmalig war. Doch im Juni des Jahres 38 starb Drusilla plötzlich.

Gaius warf der Verlust völlig aus der Bahn. Er fühlte sich nicht in der Lage, an dem ehrenvollen öffentlichen Begräbnis teilzunehmen, zog sich auf sein Gut in den Albanerbergen zurück und versuchte dort, sich abzulenken, was ihm aber kaum gelang. Er ließ sich aus Trauer Haar und Bart wachsen und fuhr ziellos durch die Gegend. Seneca warf ihm nachträglich die Maßlosigkeit in seiner Trauer vor. Tatsächlich war Gaius noch sehr jung und seine Reaktion ist menschlich verständlich. Er ließ Drusilla zur Staatsgöttin erheben, und sie war die erste Frau in Rom, der eine solche Ehre zuteilwurde. Erst Claudius ließ Livia in den römischen Götterhimmel aufnehmen.

Die Einhaltung der Trauervorschriften in Rom wurde streng kontrolliert. Die Leute durften nicht in den Thermen baden und auch keine Gastmähler veranstalten. Ein Mann, der Wasser zum Mischen von Wein verkaufte, soll zur Strafe hingerichtet worden sein.

Doch dem Kaiser war nun bewusst, dass die Frage der Nachfolge wieder offen war, und wenige Monate nach dem Tod Drusillas heiratete er. Als Lollia Paulina nicht schwanger wurde, ließ er sich von ihr scheiden und heiratete Milonia Caesonia erst, als sie von ihm schwanger war. Drusillas Gatte Aemilius Lepidus, der im Falle von Caligulas Ableben Kaiser geworden wäre, war von der Nachfolge ausgeschlossen, womit sich ein weiterer Konflikt auftat.

Literatur:

Aloys Winterling: "Caligula", Beck-Verlag, München 2019, ISBN 978 3 406 74269 9

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