Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Freitag, 16. Oktober 2026
Reise nach Sizilien und Intrigen
Um sich nicht nur in Rom, sondern auch in den Provinzen zu behaupten, musste der Kaiser entweder einen sehr guten Umgang mit seinen Beamten, Statthaltern und hohen Offizieren pflegen oder am besten selbst in den Provinzen erscheinen. Trajan hat sein Erscheinen in den Provinzen und bei den Soldaten in Reliefdarstellungen dokumentieren lassen, Hadrian bereiste das gesamte Imperium, und Marcus Aurelius zog es vor, Krisenherde persönlich aufzusuchen.
Wenige Wochen nach dem Tod seiner Schwester Drusilla, im Jahr 38, bereiste Gaius Sizilien. Er ließ den Bau eines Hafens mit Kornspeichern beginnen. Diese Maßnahme diente vermutlich der Versorgung Süditaliens mit Getreide. In Syrakus veranstaltete Gaius Spiele zu Ehren seiner verstorbenen Schwester und ließ verfallene Stadtmauern und Tempel wieder aufbauen. Für die Städte war die Anwesenheit des Kaisers ein großes, feierliches Ereignis. Wahrscheinlich hat Gaius noch weitere Städte Siziliens besucht. Aus Messina reiste er vorzeitig ab, weil der Ätna auszubrechen drohte.
Zurück in Rom, beauftragte er den Bau zweier neuer Wasserleitungen, die erst unter seinem Nachfolger Claudius fertiggestellt wurden. Als es in der Stadt brannte, beteiligte er sich persönlich mit Soldaten seiner Garde an den Löscharbeiten. Außerdem wurde ein Germanien-Feldzug vorbereitet. Legionen und Hilfstruppen wurden aus dem ganzen Reich zusammengezogen, und es kam zu umfangreichen Rekrutierungen. Für das Prestige eines Kaisers war auch Kriegsruhm wichtig. Für Gaius lag es nahe, an die Feldzüge seines Vaters Germanicus anzuknüpfen und durch außenpolitische Erfolge seine Position zu festigen.
Für den Osten des Reiches setzte Gaius mehrere Klientelkönige ein. Es ist möglich, dass er weitreichende politische Ziele in diesen Gebieten anstrebte. Außerdem plante er, den Isthmus von Korinth zu durchstechen und einen Palast auf Samos wiederaufzubauen. Im Alter von 26 Jahren hatte Gaius bereits Beachtliches geleistet. Das Volk liebte ihn, und die Geschäftigkeit, die er in den ersten zwei Jahren seiner Regierung an den Tag gelegt hatte, musste auch die erfahrenen Senatoren aus den alten, vornehmen Familien erstaunen, vielleicht sogar mit Sorge erfüllen.
Als Gaius einmal mit einigen der Klientelkönige speisten und diese über den Adel ihrer jeweiligen Geschlechter sprachen, soll er auf Griechisch gerufen haben: „Nur einer sei Herrscher, nur einer sei König!“
Als der Kaiser im Januar 39 Konsul wurde, legte er wie ein gewöhnlicher Senator auf dem Forum den Amtseid ab. Doch wird von Todesurteilen gegen viele führende Männer berichtet. Wahrscheinlich handelte es sich um Intrigen und Verschwörungen. Die Quellen nennen keine Details, aber es soll zu Verstimmungen im Volk gekommen sein. Bei den Schauspielen, denen der Kaiser gern beiwohnte, wandten sich die Menschen in Sprechchören gegen Denunzianten (die an Majestätsprozessen beteiligt waren) und forderten deren Auslieferung. Übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass das Volk von Rom durchaus nicht durch Brot und Spiele „ruhiggestellt“ wurde, sondern sich bei den Spielen auch lautstark mit Forderungen an den Kaiser wandte.
Den Verschwörungen und Unruhen folgte eine Rede Caligulas im Senat, die alles veränderte.
Literatur:
Aloys Winterling: "Caligula", Beck-Verlag, München 2019, ISBN 978 3 406 74269 9
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