Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Montag, 9. Juni 2025
Arminius
Arminius wurde um 17 v. Chr. als Sohn des Segimer, der ein bedeutender Fürst der Cherusker war, geboren. Ein Teil der Cherusker war Rom freundlich gesonnen, und Segimer gehörte dieser Partei an. Arminius folgte darin zunächst seinem Vater. Es wird vermutet, dass sein Name eine lateinische Version eines germanischen Namens ist, der jedoch nicht bekannt ist.
Arminius und sein Bruder Flavus dienten im römischen Heer; sie führten germanische Abordnungen an. Dabei wurden sie mit dem römischen Heerwesen vertraut. Wahrscheinlich waren sie zuvor als Geiseln in Rom gewesen und dort schon in den Grundlagen ausgebildet worden, wozu auch das Erlernen der lateinischen Sprache gehörte. Wahrscheinlich ist auch die Verleihung des römischen Bürgerrechtes im Anschluss an seine Ausbildung. Diese Verfahrensweise war üblich: die Römer kämpften oft mit Bundesgenossen zusammen, deren Anführer aus dem heimischen Adel stammten. Auf diese Weise wurden die Eliten der Verbündeten schnell integriert und konnten zu Ansehen und Vermögen gelangen. Die Brüder nahmen vermutlich mit ihren germanischen Einheiten an der Niederschlagung des pannonischen Aufstandes von 4 n. Chr. bis mindestens 6 n.Chr. teil.
Arminius muss sich dabei so ausgezeichnet haben, dass Augustus ihn in den Ritterstand erhob. Dafür war auch ein gewisses Vermögen nötig. Ob Arminius durch Plünderungen dazu kam, ist nicht erwiesen. Genauso gut ist denkbar, dass Augustus einsprang und ihm beispielsweise ein Landgut schenkte.
Zu einem Zeitpunkt, der nicht bekannt ist, kehrte Arminius mit seinen Cheruskern nach Germanien zurück und diente weiter im römischen Heer. Die Legaten Sentius Saturninus und Varus vertrauten ihm. Über seinen Charakter und seine Motivation, einen Aufstand gegen die Römer anzuzetteln, kann nur noch spekuliert werden. Lange Zeit wurde er als Held und Befreier Germaniens gefeiert. Es mag sein, dass er und seine Anhänger verhindern wollten, dass Gebiete östlich des Rheins römische Provinzen wurden. Denn die römischen Vorstöße unter Drusus und Tiberius führten zur Einflussnahme Roms in diesen Gebieten. Und mit seinen Kenntnissen des römischen Heerwesens kannte er auch dessen Schwachstellen.
Möglich ist aber auch, dass er nach mehr Macht strebte, dass er – ähnlich wie Marbod – König über einen germanischen Stammesbund werden wollte. Und ein Sieg über die Römer konnte seine Macht enorm stärken.
Im Jahr 9 n. Chr. kam es dann zur Schlacht, bei der das Heer des Varus vernichtet wurde. Arminius hat die römische Armeeführung bewusst getäuscht. Varus vertraute ihm bedingungslos. Das wurde deutlich, als er Warnungen ignorierte. Segestes, ein Rivale des Arminius, ebenfalls Cheruskerfürst und den Römern verbunden, enthüllte Varus die Pläne des Arminius und bot an, ihn gefangen zu nehmen. Doch er war, wie bekannt ist, nicht erfolgreich. Arminius nahm die Tochter des Segestes, Tursinhilda, zur Frau. Segest wurde in seiner Burg belagert; Germanicus befreite ihn.
Flavus, der Bruder des Arminius, blieb weiterhin römischer Offizier. Augustus und Tiberius vertrauten ihm, trotz des Verrates seines Bruders. Arminius gelang es nicht, König der Cherusker zu werden. Der Markomannenkönig Marbod ließ sich auf kein Bündnis mit ihm ein. Doch die römischen Offensiven in Germanien der folgenden Jahre waren von keinem dauerhaften Erfolg gekrönt, und das war ein weiteres Verdienst des Arminius und seiner Verbündeten. Tiberius schließlich gab weitere Eroberungspläne in Germanien auf. Im Jahr 21 n. Chr. wurde Arminius von Verwandten getötet. Seine Frau Tursinhilda war von ihrem Vater an die Römer ausgeliefert worden. In der Gefangenschaft gebar sie den Sohn des Arminius, Thumelicus, der in Ravenna aufwuchs. Was aus ihm wurde, ist nicht bekannt.
Wenn ich die römische Karriere des Arminius betrachte, denke ich an die des Lusius Quietus unter Trajan, die anfangs ähnlich verlief. Doch Quietus stieg noch höher auf: seine Erfolge im Partherkrieg des Kaisers waren so wichtig für Rom, dass der Kaiser ihn als einen der ersten Nichtrömer in den Senat aufnehmen ließ.
Das römische Imperium hatte Schwierigkeiten in Germanien und hat die Eroberung großer Gebiete bereits in der frühen Kaiserzeit aufgegeben. Der Aufstieg einer germanischen Familie in den Senatorenstand ist nicht belegt.
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