Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Freitag, 11. Juli 2025
Die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr.
Im Jahr 9 kam es zur katastrophalen Niederlage dreier römischer Legionen und Hilfstruppen im Kampf gegen die Anhänger und Gefolgsleute des Arminius.
Das Schlachtfeld wird heute bei Kalkriese im Osnabrücker Land vermutet. Den archäologischen Funden nach fanden dort Kämpfe zwischen Römern und Germanen statt, aus denen die Germanen als Sieger hervorgingen. Es könnte sich jedoch auch um den Ort der Schlacht an den pontes longi im Jahr 15 n. Chr. handeln, wo sich der Legat Caecina mit seinen Truppen in einer ähnlichen Situation wie Varus befand. Er und sein Heer konnten unter hohen Verlusten entkommen.
Das Heer des Varus befand sich vermutlich auf dem Marsch aus Innergermanien in die Winterlager. Wie üblich, führten die Truppen den Tross mit: Wagen, Lasttiere, Frauen, Kinder, Sklaven und Gepäck. Das Wetter war sehr schlecht. Arminius hatte Varus dazu geraten, auf Grund eines germanischen Aufstandes in für die Römer ungünstigem Gelände zu marschieren. Er und seine Hilfstruppen hatten sich unter dem Vorwand, sich sammeln und dann Varus zu Hilfe zu eilen, vom römischen Heer entfernt. Varus, der gewarnt worden war, stand immer noch treu zu Arminius.
Als die Germanen angriffen, konnte sich das römische Heer nicht formieren. Die Germanen waren flexibler und griffen aus dem Hinterhalt an, wohin sie sich schnell wieder zurückzogen. Am ersten Tag der Kämpfe schlugen die Römer ein Lager auf und verbrannten einen Teil der Trosswagen, um besser voranzukommen. Man kann sich ungefähr vorstellen, was das für die Menschen, die mit dem Tross gereist waren, bedeutete.
Das Museum in Kalkriese, wo die Ereignisse verdeutlicht werden und wo veranschaulicht wird, durch welches Gelände die Legionen marschierten, habe ich noch nicht besucht. Aber ich möchte das in den nächsten Jahren gern tun.
Immer wieder kam es zu Angriffen der Germanen und zu schweren Verlusten für die Römer, als sie an den folgenden drei Tagen weitermarschierten. Dann gelangten sie in offenes Gelände und konnten sich dort besser formieren. Als sie in ein Waldgebiet kamen, erlitten sie wieder große Verluste. Am vierten Tag wurde das römische Heer dann endgültig geschlagen. Die Gegner Roms hatten sich in Aussicht auf Beute durch Plünderungen vermehrt. Varus und viele seiner Offiziere wählten den Freitod. Die meisten Soldaten wurden getötet. Nur wenige konnten fliehen. Es ist belegt, dass sich Germanicus während seiner Rachefeldzüge gegen die Germanen von ortskundigen Überlebenden der Varusschlacht begleiten ließ.
Die Legionen XVII, XVIII und XIX waren vernichtet. Natürlich wurden neue Legionen aufgestellt, aber die Ziffern der Unglückslegionen wurden nicht mehr verwendet. Augustus trauerte um sein Heer, indem er sich eine Weile weder Haar noch Bart scheren ließ und immer wieder ausrief „Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ Große Gesten waren typisch für ihn. Doch die Schuld gab man Arminius und dem ungünstigen Gelände. Erst später wurde auch unter den Römern Kritik laut: nach Sueton gab Tiberius dem Feldherrn (Varus) die Schuld an der Katastrophe.
Die Fakten klingen ernüchternd angesichts der Niederlage der römischen Legionen, bei der auch viele Zivilisten umkamen. Deshalb verweise ich auf einige Romane, die die Ereignisse heutigen Lesern näherbringen können. An erster Stelle steht der Roman „Varus“ von Iris Kammerer, wo die Katastrophe aus römischer Sicht geschildert wird. Mehrere Personen, erfahrene Offiziere, junge Offiziere, ein Schreiber, Zivilisten und auch Varus selbst erleben die Niederlage. Man taucht hautnah ein in die Geschehnisse, spürt den Regen und die zunehmende Furcht. Aber es gibt auch Überlebende. Ebenfalls von den Ereignissen um die Varusschlacht handelt die Cinna-Trilogie von Iris Kammerer: „Der Tribun“, „Die Schwerter des Tiberius“ und „Wolf und Adler“, auch sehr empfehlenswert. Eine andere Position, nämlich die der Germanen, nehmen die Romane von Ludwig Renn ein. „Herniu und der blinde Asni“ sowie „Herniu und Armin“ sind für jüngere Leser gut erzählt und auch für Erwachsene lesenswert, obwohl sie nicht frei sind von der veralteten Ideologie der Germanen als authentisches, gerechtes und moralisch unverdorbenes Volk im Unterschied zu den betrügerischen, dekadenten Römern.
Literatur: Günther Moosbauer: Die Varusschlacht, Beck-Verlag München, 2009, ISBN 978 3 406 56257 0
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