Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Samstag, 18. Oktober 2025
Tiberius – die ersten Jahre
Wie viele römische Kaiser, verhielt sich Tiberius in den ersten Jahren seiner Herrschaft so, dass ihn die Überlieferung nicht tadeln konnte, ihn sogar lobte.
Er nahm nur wenige Ehrungen an, wollte keinen Aufwand an seinem Geburtstag, und Personenkult jeglicher Art verabscheute er. In mancher Hinsicht war der Verzicht nicht ganz klug. Beispielsweise lehnte er den Titel „Vater des Vaterlandes“ ab, über den sich Augustus sehr gefreut hatte. Wollte Tiberius kein Landesvater sein?
Bildnisse von sich aufzustellen, genehmigte er nur sparsam. In Tempeln durften seine Porträts nicht bei denen der Götter stehen. Als der Senat einen Monat nach ihm benennen wollte, legte er sein Veto ein und antwortete spöttisch: „Was macht ihr, wenn ihr dreizehn Kaiser habt?“ Auch den Namen Augustus, der ihm vererbt worden war, ließ er nur in offiziellen Schreiben an Könige zu. Als Kaiser wurde er nur dreimal Konsul.
Schmeicheleien waren ihm zuwider. Sueton berichtet, dass er aus diesem Grunde keinen Senator an seine Sänfte herantreten ließ – er lag, während der Senator stand, was für ihn nicht in Ordnung war. Er wollte keinesfalls „Herr“ genannt werden und betrachtete diese Anrede geradezu als Beleidigung. Ende des ersten Jahrhunderts unter Trajan, der als bescheiden und umgänglich galt, war die Anrede Standard. Schmeichelhafte Reden im Senat korrigierte Tiberius sofort. Er selbst betrat den Senat stets allein und normalerweise zu Fuß; nur einmal, als er krank war und sich in einer Sänfte hineintragen ließ, schickte er sofort seine Begleiter hinaus. Wenn die Konsuln den Senat betraten, stand er auf und begegnete er ihnen auf der Straße, wich er aus.
Tiberius bemühte sich um Sparsamkeit. Die Spiele (Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen) schränkte er ein, womit er sich beim Volk unbeliebt machte. Er ärgerte sich über Wucherpreise, die für Luxusgüter gezahlt wurden. Er selbst wollte mit gutem Beispiel vorangehen, und es wird geradezu als rühmliche Ausnahme berichtet, dass er an seiner Tafel Speisen vom Vortag wieder auftragen ließ und einen halben Eber an Stelle eines ganzen servieren ließ. Er sagte dazu, dass dieser die gleichen Eigenschaften wie ein ganzer habe.
Tiberius verbot das Küssen bei Begrüßungen – es war in der Öffentlichkeit allgemein üblich. Plinius der Jüngere erwähnte im Panegyrikus lobend, dass Trajan sich, im Unterschied zu Domitian, küssen ließ und auch selbst die Senatoren küsste. Und Tiberius bestimmte, dass Neujahrsgeschenke nicht mehr nach dem ersten Januar überreicht werden durften. Es war ihm lästig, dass Leute noch den ganzen Januar über mit Neujahrsgeschenken zu ihm kamen.
Er soll öfter angekündigt haben, Provinzen zu bereisen, und schon Maßnahmen dafür getroffen haben, namentlich ließ er Wagen bereitstellen und Vorräte in den Städten beschaffen, durch die er reisen wollte, und schließlich ließ er Gelübde für seine glückliche Abreise und Heimkehr darbringen. Dann aber überlegte er es sich doch anders. Interessant ist für mich diese Stelle bei Sueton vor allem deswegen, weil der Aufwand einer kaiserlichen Reise angedeutet wird, der ziemlich hoch war. Das passte nun nicht zur Sparsamkeit des Tiberius.
Literatur:
Suetons Kaiserbiographien, Langscheidtsche Bibliothek, Band 106, 1914
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