Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Freitag, 14. November 2025
Hauskult im alten Rom
Die alten Römer bezeichneten sich als sehr fromm bzw. gottesfürchtig. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hatten neben Ämtern in der Verwaltung und Militärkommandos auch ein Priesteramt inne. Doch auch im Privatleben waren die Verehrung verschiedener Gottheiten sehr wichtig.
Zentrum des Kultes eines Haushaltes war ein Schrein, das Lararium. Ursprünglich, als sich der Herd noch im Atrium befand, war dort auch das Lararium. Später konnte es sich auch in anderen Bereichen des Hauses befinden, im Schlafzimmer oder im Peristyl, d.h. im überdachten Bereich eines Gartens, oder dem Wirtschaftstrakt des Hauses. Das Lararium war entweder eine Nische, eine Art Regal oder einfach nur ein bemalter Bereich, dessen Form einem kleinen Tempel entsprach. Menschen aller sozialer Schichten, auch Sklaven, verehrten ihre privaten Schutzgottheiten und die Geister und Gottheiten des Hauses und Ortes. Es gab auch kleine tragbare Schreine, die auf Reisen mitgenommen wurden.
Außer in privaten Haushalten gab es Lararien in Gaststätten, Herbergen, Werkstätten, Ställen, Thermen – die Kulte der „kleinen“ Götter waren ein wichtiger Bestandteil des Alltags im alten Rom.
Der Familienvater, pater familias, stand dem römischen Haushalt vor. Private Kulte wurden aber von allen Familienmitgliedern praktiziert, auch von Sklaven. Im Lararium befanden sich eingelassene Opferstellen, aber es wurde auch im Herdfeuer geopfert.
Verehrt wurden im Lararium, wie der Name schon sagt, die Laren, Hausgeister, d.h. es wurde davon ausgegangen, dass jedes Haus einem ortsgebundenen Hausgeist gehörte. Wenn eine Familie in die Sommerfrische aufs Land zog, blieb der Hausgeist vor Ort. Im Sommerhaus weilte dann ein anderer Hausgeist, und zog die Familie um, musste sie den dortigen Hausgeist entsprechend begrüßen und versöhnen. Der Lar des Hauses wurde mit Girlanden, Räucherwerk und/oder einem Weinopfer geehrt, er durfte keinesfalls vernachlässigt werden. Oft wurden die Laren auch paarweise verehrt, man unterschied dann den Lar des Hauses und den der Familie. Nicht nur vor Reisen oder anderen wichtigen Ereignissen wurden die Laren als Schutzgötter um Beistand gebeten, sie wurden auch täglich beim Betreten des Hauses begrüßt und beim Verlassen verabschiedete man sich – wie von einem Familienmitglied. Auch bei den täglichen Mahlzeiten wurden die Laren einbezogen und erhielten Teile der Mahlzeit als Opfergabe. Es gab aber auch Laren mit übergreifender Bedeutung für ganze Wohngebiete.
Der persönliche Schutzgeist des pater familias war der Genius, die Gattin des Hausherrn betete zu ihrer Juno. Die Hausgötter wurden besonders an den drei bedeutenden Tagen des Monats verehrt, den Iden (Monatsmitte, entweder der 13. Oder 15.), den Kalenden (1. Tag) und den Nonen (7. oder 8. Tag).
Auch die Penaten wurden im Haushalt verehrt. Es waren Hausgeister, die vor allem die Speisekammer bewohnten und die für den Wohlstand der Familie und die Versorgung aller Angehöriger zuständig waren. Die Penaten waren nicht ortsgebunden, sondern personengebunden, d.h. sie begleiteten die Familie auch bei Reisen und Umzügen.
Im Laufe der Zeit wurden die Penaten zu einem Sammelbegriff für alle im Haushalt verehrten Gottheiten.
Außer dem Genius des Hausherrn wurde auch der Genius des Ortes (Genius loci) verehrt. Er wurde meist als Schlange dargestellt – in diesem Fall Glückssymbol mit positiver Bedeutung - und ist so in fast allen Lararien bildlich dargestellt. Nicht nur das Haus hatte einen Genius loci, sondern auch natürliche Orte wie Felsen, Steine, Berge, Sträucher, Seen, und öffentliche Bereiche wie Brücken, Tore, Plätze. Sogar kleinere Bereiche wie Zimmer oder Keller eines Hauses unterstanden jeweils einem Genius loci. Die damalige religiöse, spirituelle Welt war sehr differenziert. Penaten und Laren wurden oft figürlich dargestellt.
Neben diesen Orts- und Hausgeistern konnte jede große Gottheit auch im privaten Haushalt verehrt werden. In vornehmen Haushalten hatten nicht nur die Götter, sondern auch die Ahnen ihren ehrenvollen Platz, was aber Thema eines gesonderten Textes sein wird.
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