Freitag, 27. Februar 2026

Tiberius gegen die Magier

Im Jahr 16, drei Jahre bevor Tiberius gegen die Ägypter und Juden in Rom vorging, bestätigte er einen Senatsbeschluss, demzufolge Magier und Astrologen aus Italien ausgewiesen werden sollten. Zwei dieser Magier wurden sogar zum Tode verurteilt.

Es handelte sich überwiegend um Wahrsager, die aus Persien und Kleinasien stammten und in vornehmen Häusern ihre Tätigkeit gegen gute Bezahlung ausübten. Das Vorgehen gegen diese Leute muss konkrete Ursachen gehabt haben. Als Anlass wurde, wie so oft, eine Verschwörung vermutet: Der Senator Scribonius Libo soll Traumdeutern, Magiern und Astrologen Glauben geschenkt haben. Man kann darüber spekulieren, was jene Leute ihm prognostiziert hatten.

Rom war generell tolerant gegenüber fremden Einflüssen und fremden Kulten, solange diese nicht den Verdacht erweckten, die öffentliche Ordnung zu gefährden. Die Weissagung und das Beobachten von Vorzeichen gehörten aber auch zur altrömischen Tradition; es waren Rituale, die sämtliche Entscheidungen der Magistrate begleiteten. Und diese Rituale wurden regelmäßig praktiziert, obwohl viele Privatleute, auch hochrangige, beispielsweise Cicero, nicht an deren Wahrheitsgehalt glaubten. Die kultischen Rituale galten als wichtig für die Gesellschaft und die Moral. Einerseits handelte es sich um Religion, andererseits um Aberglauben – die Grenzen waren fließend.

Tiberius glaubte, wie der Kaiserbiograf Sueton berichtet, nicht an Götter und Prophezeiungen, aber an das Schicksal, und er war der Astrologie zugetan. Damals waren Astronomie und Astrologie eine Wissenschaft. Pikant ist die Tatsache, dass Tiberius seit seinem Aufenthalt auf Rhodos mit dem Astrologen und Universalgelehrten Thrasyllos befreundet war und dieser bis zu seinem Tod am Hof des Kaisers weilte. Thrasyllos war vermutlich Alexandriner griechischer Herkunft. Er hatte Tiberius in Astrologie unterrichtet und war sein Begleiter und Berater. Auch Augustus schätzte ihn. Es gibt Anekdoten, wonach Tiberius zeitweise an seinen Fähigkeiten zweifelte und ihn sogar bedrohte, aber deren Wahrheitsgehalt darf angezweifelt werden. Als Kaiser verlieh er ihm das römische Bürgerrecht, und sein Sohn stand ebenfalls in römischem Dienst: Er wurde Präfekt von Ägypten, gehörte also dem Ritterstand an. Thrasyllos starb ein Jahr vor Tiberius und lebte somit sehr lange – länger als die meisten seiner Zeitgenossen – im Umfeld des Kaisers.

Literatur:

Holger Sonnabend: Tiberius – Kaiser ohne Volk, Verlag Zabern, 2021, ISBN 978-3-8053-5258-1

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