Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Donnerstag, 9. April 2026
Die Reiseroute der Kaiser Augustus und Tiberius nach Kampanien
Beide Kaiser, Augustus und Tiberius, reisten gern nach Kampanien. Augustus befand sich kurz vor seinem Tod dort auf Reisen und kehrte nicht mehr nach Rom zurück.
Seine Reiseroute ist bei Sueton folgendermaßen überliefert: Am ersten Tag erreichte er Astura – heute Torre Astura. Dort befand sich ein antiker Hafen. Man kann davon ausgehen, dass sich dort ein Landsitz befand, der entweder Augustus gehörte oder von ihm genutzt wurde. Hotels gab es damals noch nicht, und reiche Römer reisten von Landsitz zu Landsitz. Normalerweise verbrachten sie die Nacht nicht an Bord eines Schiffes.
Der Hafen Roms bei Ostia war damals noch nicht ausgebaut und eher ein Anleger. Erst Claudius ließ ein Hafenbecken anlegen; Trajan später ein weiteres. Es war möglich, gleich von Rom aus mit dem Schiff zu reisen, den Tiber flussabwärts und dann von Ostia aufs Meer hinaus, natürlich in Küstennähe. Sueton berichtet sogar, dass Tiberius auf einem Dreiruderer (Trireme) bis kurz vor Rom fuhr, und zwar zu den caesarischen Gärten beim Janiculus. Eine Trireme war etwa 34 Meter lang und mit Riemen 5,60 breit, der Tiefgang betrug einen Meter (Quelle: H.-D. L. Viereck: Die römische Flotte). Das war schon ein ziemlich großes Schiff, das den Tiber hinaufgerudert werden musste. Wahrscheinlich verfügte die Trireme über Decksaufbauten zur Bequemlichkeit des Kaisers und seiner Begleitpersonen. Dennoch wird er üblicherweise Pausen eingelegt und die Nächte in Landvillen verbracht haben.
Die letzte Reise von Augustus verlief von Astura weiter an der Küste entlang; er besuchte die Inseln, von denen Capri namentlich genannt wird, wo er sich vier Tage lang aufhielt. Bei Puteoli (Pozzuoli), wo sich damals der Haupthafen Roms befand, fuhr ein alexandrinisches Handelsschiff vorbei, dessen Besatzung ihn freudig begrüßte. Von Capri setzte er nach Neapel über. Etwas entfernt, in Nola, endete seine letzte Reise.
Auch Tiberius schätzte Kampanien als Ort der Erholung. Von 21–22 n. Chr. hielt er sich ein Jahr lang dort auf. In Rom hatte er seinen Sohn Drusus als Stellvertreter zurückgelassen. In den ersten beiden Jahren seiner Regierung, so der Kaiserbiograf Sueton, blieb er in Rom. Danach verließ er Rom nur für Kurzaufenthalte, und als Ort wird Antium (Anzio) genannt. Dort wird die kaiserliche Familie mindestens eine Villa gehabt haben: Caligula wurde dort geboren und heiratete dort seine erste Frau. Auch Nero wurde dort geboren. Von seiner großen, direkt am Strand gelegenen Villa sind noch Überreste zu sehen. Da liegt es nahe, dass schon früher dort eine Villa existierte, die eventuell von ihm ausgebaut wurde. Auch ein Hafen wurde von Nero gebaut. Dort, wo keine antiken Häfen nachgewiesen sind, gab es vielleicht einfache Anleger, und es war auch möglich, dass die Schiffe weiter draußen ankerten und Reisende auf Kähne umstiegen, die sie an Land brachten. Auf Capri gab es, abweichend von Sueton, mindestens zwei Anleger zur Römerzeit.
Seine letzte Reise führte Tiberius von Rom aus nach Kampanien. In Astura wurde er krank, aber sein Zustand besserte sich wieder. Als nächste Station wird Circeji (San Felice Circeo) erwähnt, wo er sogar die Spiele besuchte und von seiner Loge aus einen Speer auf einen Eber schleuderte. Dies bekam ihm allerdings schlecht und seine Krankheit verschlimmerte sich. In Misenum starb er dann in einer Villa, die einst Lucullus gehört hatte. Er hatte vorgehabt, nach Capri überzusetzen, aber das Wetter hinderte ihn daran. Die letzten elf Jahre seiner Herrschaft verbrachte Tiberius überwiegend auf Capri. Die sogenannte Villa Jovis war sein bevorzugter Aufenthaltsort. Sie war eher Burg und Palast als Villa.
An der Küste Kampaniens lag auch Spelunca, heute Sperlonga bei Terracina, wo Tiberius eine Residenz besaß, deren Überreste noch heute besichtigt werden können. Das Besondere war eine Grotte, die sich zum Meer hin öffnete. Im Wasserbecken befand sich – wie auf einer Insel – ein Triclinium, ein Speisesaal. Dort kam es zu einem Unglück, als während eines Banketts Steine von der Höhlendecke hinabfielen und Gäste und Sklaven erschlugen. Tiberius überlebte. Seianus, der berüchtigte Kommandant seiner Garde, hatte sich schützend über ihn geworfen. Als Station der letzten Reise des Kaisers wird Sperlonga nicht mehr erwähnt.
Literatur:
H.D.L. Viereck, Die Römische Flotte, Nikol Verlag Hamburg, 1996, ISBN 3-930656-33-7
Clemens Krause: Villa Jovis, Zabern-Verlag 2003, ISBN 3-8053-3091-X
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