Projektrecherchen über das Römische Imperium und seine Nachbarn, Persönlichkeiten und Gesellschaft
Montag, 22. Juni 2026
Caligula: Bübchen des Imperiums
Gaius wurde am 31. August des Jahres 12 geboren. Im Jahr 13 übernahm sein Vater das Kommando über die römischen Truppen in Germanien. Seine Gattin Agrippina die Ältere, Enkeltochter des Kaisers Augustus, folgte ihm dorthin nach.
Es ist ein Brief von Augustus an Agrippina überliefert, in dem er ihr schreibt, dass nun auch der Knabe Gaius in Begleitung eines Arztes (und vermutlich auch eines kleinen Gefolges mit Geleitschutz) seinen Eltern hinterhergeschickt worden sei. Augustus starb im Jahr 14 und somit war Gaius damals noch ein Kleinkind. Es muss einen triftigen Grund dafür gegeben haben, warum Agrippina getrennt von dem Jungen abreiste. Seine beiden älteren Brüder blieben in Rom, sie wurden am Kaiserhof erzogen.
So kam es, dass kleine Gaius seine ersten Lebensjahre fern von Rom verbrachte. Agrippina ließ für den kleinen Sohn eine Mini-Soldatenuniform und kleine Soldatenstiefel, Caligae, eher eine Art geschlossene Sandalen, anfertigen, und daher kam auch der Spitzname Caligula. Gaius wurde der Liebling der Rheinarmee. Ich frage mich manchmal, ob er unter seiner Uniform noch Windeln trug? Denkbar wäre es.
Als Germanicus im Triumph in Rom einzog, fuhren seine Kinder auf dem Triumphwagen mit. Die beiden kleinen Schwestern waren noch Babys. Ob Gaius und seine Brüder das Szepter des Triumphators einmal halten durften? Ich habe es ihm in der Zeichnung in die Hand gegeben, aber er hätte auch ein kleines Holzschwert tragen können. Germanicus blieb nicht lange in Rom, sondern wurde mit einem übergeordneten Kommando über die Ostprovinzen betraut. Auch auf dieser Reise begleiteten ihn Agrippina und Gaius, während die anderen vier Kinder in Rom blieben. Der kleine Sohn des beliebten Germanicus blieb nicht nur den Soldaten, sondern auch vielen Provinzbewohnern im Gedächtnis. Als Gaius im Alter von 24 Jahren den Trauerzug mit dem Leichnam des Tiberius Richtung Rom anführte, nannten ihn die Menschen immer noch „Bübchen“, „Stern“ oder „Schoßkind“. Und Gaius spielte mit, wenn er die Senatoren und Damen der Aristokratie seine Väter und Mütter nannte. Seinen Spitznamen aus Kindertagen wollte er aber nicht mehr hören und wurde mit Sicherheit nicht so angesprochen.
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