Donnerstag, 11. Juni 2026

Kaiser Gaius - eine Annäherung in Bildern

Ich habe schon als Kind gerne Porträts gezeichnet und nun, während meiner Romanprojekte, wieder damit angefangen. Bisher hatte ich vor allem ältere Männer porträtiert, aber nun wird ein sehr junger Kaiser Protagonist und Antagonist sein. Während ich ihn nach dem Vorbild von Marmorbildnissen zeichne, nähere ich mich ihm an. Es war neu für mich, so ein junges Gesicht nachzuempfinden, weitgehend ohne harte Linien. Die ersten Porträts sind hier in der Bildergalerie zu sehen.

Schon im Trajan-Blog habe ich mich mit Gaius beschäftigt, der unter seinem Spitznamen Caligula in die Geschichte eingegangen ist. Und auch damals hat er mich berührt. Die Auslöschung seiner Familie – ausgenommen Gaius selbst und seine drei Schwestern, seine vielversprechenden ersten Auftritte und Maßnahmen und seine jugendliche Begeisterung für Theater, Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe, aber auch seine Intelligenz haben mich meine Meinung über ihn ändern lassen. Klischees sind weit verbreitet, und immer dann, wenn man sich näher informiert, stellt sich Manches anders dar.

Fakt ist: Der dritte Sohn des Germanicus hat Seianus und auch die Intrigen im Umfeld von Tiberius überlebt. Das war weder seiner Mutter noch seinen älteren Brüdern gelungen. Gaius soll über eine gute Menschenkenntnis verfügt haben. Er war gebildet und eloquent, aber als Kaiser zunehmend zynisch und boshaft. Seine Wesensveränderung wurde in der Vergangenheit auf eine Krankheit zurückgeführt oder auf einen speziellen Trank, den ihm seine vierte Gattin Caesonia verabreicht haben soll. Doch es war komplizierter. Gaius war nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Es gab mehrere Verschwörungen gegen ihn, und die letzte war erfolgreich.

Die Geschichte kennt mehrere Beispiele von Überforderung junger Kaiser. Gaius gehört dazu, auch Nero und Commodus – alles junge Männer, denen die politische und militärische Erfahrung, persönliche Reife und Abgeklärtheit eines Augustus oder Trajan fehlte. Gaius ist an Schicksalsschlägen und Anfeindungen durch die Aristokratie zerbrochen, und seine Grausamkeit entstand aus Angst um sein Leben und das der Menschen, die ihm am nächsten standen. Die Art und Weise, wie er Menschen demütigte und in den Tod trieb, ist nicht zu entschuldigen. Schließlich bezahlte er mit dem Leben dafür.

Viele seiner Porträts sind idealisiert und erinnern an Kaiser Augustus, seinen Urgroßvater. Gaius soll furchterregend ausgesehen haben, und tatsächlich wirkt er auf einigen Bildnissen etwas finster. Schütteres Haar, tiefliegende Augen, dünne Beine und beleibt: Ein solches Aussehen, gepaart mit Jähzorn und Boshaftigkeit – fertig ist der perfekte Tyrann. Sueton, der ihn so schildert, war kein Zeitzeuge. Manche Porträts von Gaius zeigen ihn gealtert. Er regierte vier Jahre lang, und was in dieser Zeit geschah, hinterließ Spuren in seinem Äußeren und Inneren. Nach seiner Ermordung befürchteten viele Menschen, er hätte seinen Tod nur vorgetäuscht, um sein Umfeld auf die Probe zu stellen. So groß waren Furcht und Verunsicherung. Doch dann wurde es Gewissheit. Der Senat beschloss die Tilgung seines Andenkens, und Claudius, sein Nachfolger, verhinderte es nicht. Es gibt zerstörte Münzen und Porträts, aber dennoch sind viele Bildnisse von ihm erhalten geblieben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen